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Arbeitskreis der Schulelternräte der                                                                                24. April 2015                                   

Gymnasien im Großraum Lüneburg    



Offener Brief an Ministerpräsident Stephan Weil

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Weil,

wir wenden uns heute in einem offenen Brief an Sie, da wir ernsthafte Bedenken haben, dass einige Gymnasien zukünftig große Bestandsprobleme bekommen werden.

Leider sind weder das Kultusministerium noch die Kultusministerin besonders auskunftsfreudig. Frau Ministerin Heiligenstadt liegen seit dem 05.01.2015 mehrere schriftliche Anfragen vor, die bis heute  nicht beantwortet wurden. Da die Leiterin des Kultusministeriums offensichtlich keine Antworten auf die gestellten Fragen findet, wenden wir uns nun an Sie.

Frau Ministerin Heiligenstadt plant, zukünftig die IGS über alle anderen Schulformen zu stellen. Nichts anderes steht hinter dem Begriff „ersetzende Schulform“. Die Schulträger müssen somit zukünftig nur noch Gesamtschulen vorhalten. Alle anderen Schulformen können durch die Gesamtschule ersetzt werden. Das ist ein Frontalangriff auf das erfolgreiche gegliederte Schulsystem in Niedersachsen. Die immer wieder getroffene Feststellung, dass mit dem Gesetz keine Abschaffung der Gymnasien geplant ist, ist wenig glaubwürdig: Wozu braucht man dann ein Gesetz mit der Festschreibung der Gesamtschule als „ersetzende Schulform“? Die Schulträger werden schon aus Kostengründen zukünftig Schulzentren in eine IGS umwandeln (ist auch im Landkreis Lüneburg, immerhin Zuzugsgebiet, geplant. Erste Überlegungen dazu gibt es bereits seit mehr als zwei Jahren). Da sehr viele kommunale Verwaltungen den Zukunftsvertrag abgeschlossen haben, werden sie gezwungen nach jedem Einsparungsstrohhalm zu greifen, auch wenn sie eigentlich Gymnasien erhalten wollen.

Viele weitere Punkte in dem neuen Schulgesetz führen zu einer eklatanten Schwächung der Gymnasien. Beispielhaft seien hier nur die Abschaffung der verpflichtenden Schullaufbahnempfehlung, die Abschaffung des Sitzenbleibens im Sekundarbereich I, die zumutbaren Schulwege von 75 Minuten und die Änderungen in der  Schülerbeförderung genannt. Diese Punkte zielen nur auf die Stärkung der IGS und die Schwächung der beliebtesten Schulform, des Gymnasiums.

Auch an Versprechungen des letzten Jahres scheint sich die Ministerin nicht mehr erinnern zu können. Frau Heiligenstadt versprach uns in einem persönlichen Gespräch Ende März 2014, dass zeitgleich mit der Rückkehr zu G9 die Oberstufen, die noch das Abitur nach G8 ablegen, entlastet werden. Diese Entlastungen hat Frau Heiligenstadt bereits jetzt auf Sommer 2016 verschoben.

Die Gymnasien werden bereits heute massiv benachteiligt. Im letzten Sommer gab es im Regierungsbezirk Lüneburg nur 35 Planstellen für Gymnasien, aber rund 155 für Gesamtschulen. Niedersachsenweit gab es 170 Planstellen für Gymnasien und 615 Planstellen für Gesamtschulen. Dazu erklärte Frau Heiligenstadt, dass im letzten Jahr 40! neue Gesamtschulen als ersetzende Gesamtschulen gegründet wurden (siehe Interview Frau Heiligenstadt in der NOZ vom 13.02.2015), die ja auch mit Lehrkräften ausgestattet werden müssen. Leider bleibt Frau Heiligenstadt nach wie vor die Erklärung schuldig, wie es bereits im letzten Sommer zur Gründung von ersetzenden Gesamtschulen kommen konnte, wenn doch das Gesetz erst in diesem Juni verabschiedet werden soll!

Wir haben nichts gegen Gesamtschulen. Diese haben ihre Berechtigung. Aber nur im fairen Wettbewerb mit den anderen Schulformen. Daher sollte aus dem „ersetzend“ ein „gleichberechtigt ergänzend“ werden. Nur dann ist sichergestellt, dass das bewährte gegliederte Schulsystem auch weiterhin in seiner Vielfalt Bestand haben wird.

Hinzu kommt, dass es  nicht in der eigenverantwortlichen Entscheidung eines Schulträgers liegen darf, ob er eine Gesamtschule oder mehrere Schulformen an einem Standort vorhält. Die Entscheidung für eine Gesamtschule wird ja auch nur von einer Minderheit getroffen. Nach Gesetzesvorlage muss der Schulträger eine Gesamtschule anbieten, wenn eine Umfrage unter den Eltern in den Kindergärten und Grundschulen des Einzugsgebietes eine Vierzügigkeit erwarten lässt. Da die Gesamtschule zukünftig alle anderen Schulformen ersetzen kann, muss der Schulträger zwar die Gesamtschule einrichten, kann dann aber die anderen Schulformen im gleichen Einzugsgebiet auslaufen lassen, bzw. wird aus finanziellen Gründen gezwungen sein, sich für nur eine Form zu entscheiden.

Das hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun, sondern ist eine klare Bevorzugung der Gesamtschulen. Liest man dazu die Einlassungen der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, weiß man auch, warum es so sein soll.

Frau Ministerin Heiligenstadt hat im letzten Jahr bereits sehr viel Porzellan an den Gymnasien zerschlagen und für massiven Unfrieden an allen Gymnasien in Niedersachsen gesorgt, als sie die Gymnasiallehrer zu einer Unterrichtsstunde mehr verpflichtet und den Lehrern die Arbeitszeitkonten für die Alterszeit ersatzlos gestrichen hat. Der daraus resultierende Klassenfahrtenboykott ist nicht mehr hinnehmbar. Hier muss die Kultusministerin, als oberste Dienstherrin, endlich auf die Lehrer zugehen und den Disput final klären. Leider hat auch das Gespräch der Ministerin mit den Lehrerverbänden am 17.04.2015 nicht den erhofften Durchbruch gebracht.

Sie hatten letztes Jahr zum Thema Einführung G9 bereits erklärt, Zitat:

„Ich sehe nicht ein, warum Gymnasien benachteiligt werden sollen, nur um die Gesamtschulen zu fördern“ (vgl. Tagesspiegel.de)

Der Schulfrieden an vielen Gymnasien ist massiv gestört!

Daher fordern wir Sie im Namen der unterzeichnenden SER-Vorstände auf:

Stoppen Sie das neue Schulgesetz und führen Sie G9 mit gleichzeitiger Entlastung der Oberstufen im G8 wieder ein.

Alternativ verändern Sie den vorliegenden Schulgesetzentwurf in folgenden Punkten:

-          Streichen Sie das „ersetzend“ und machen Sie ein „gleichberechtigt ergänzend“ daraus

-          Belassen Sie die grundsätzliche Entscheidungshoheit über die regionalen Schulformen beim Kultusministerium

-          Erhalten Sie die Schullaufbahnempfehlung in Jahrgang 4

-          Halten Sie die Fahrzeiten des Schülertransportes möglichst kurz (unter 60 Minuten)

           Abschließend bitten wir Sie eindringlich:

-          Verpflichten Sie, als Ministerpräsident, die Kultusministerin zur Beantwortung aller vorliegenden und noch     

           eintreffenden Anfragen

Hochachtungsvoll

Johanneum Lüneburg                                                                                               

Gymnasium Bleckede                                                                                

Wilhelm-Raabe-Schule Lüneburg                                                                         

Gymnasium Oedeme

Bernhard-Riemann-Gymnasium Scharnebeck                                               

Lessinggymnasium Uelzen

Herzog-Ernst-Gymnasium Uelzen                                                                       

Gymnasium Salzhausen